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Podiumsdiskussion 

Die Reisebranche heute – 175 Jahre nach Thomas Cook. Boom, trotz politischer Krisen, Terrorgefahren und EU-Regulierungswahn. In Frankfurt diskutierte der lokale Skål-Club mit renommierten Vertretern der Branche die Lage der Reisebranche.

So wie der Tourismus ständig in Bewegung ist, so bewegte sich auch der Ort der Podiumsdiskussion. Auf der Wikinger, einem Schiff der Frankfurter Primus-Linie von Skål-Freund Anton Nauheimer.  

Die prominente Besetzung im Podium sorgte für eine differenzierte Sichtweise: (v.l.) Detlef Altmann, jahrzehntelang in Führungspositionen bei Neckermann/Thomas Cook und zuletzt Touristik-Vertriebschef von Air Berlin. Tobias Jüngert, langjähriger leitender Redakteur der Fachzeitschrift fvw international und jetzt Kommunikationschef der REWE-Group. Hans-Christoph Noack, langjähriger Ressortleiter Wirtschaft mit Schwerpunkt Reise bei der FAZ und heute Experte für strategische Kommunikation. Markus Michel, Inhaber des TUI TRAVELStar Reisecenters Michel in Wiesbaden.

Nach einem historischen Rückblick auf die besonders nach dem 2. Weltkrieg und bis heute rasanten Entwicklungen der Reisebranche konzentrierte sich die Diskussion – der besonderen Brisanz geschuldet – den nicht nur touristischen, sondern auch politischen Krisenherden in Ägypten, Tunesien, vor allem aber die Türkei, die in den letzten 30 Jahren besonders im Badetourismus zu einem geradezu unersetzlichen Massenreiseziel geworden war.

Waren es zunächst Terroranschläge, so sind es spätestens seit dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 dessen andauernde Folgen, die nicht nur dem Land selbst, sondern gerade auch dem Türkei-Tourismus aus Deutschland einen schweren Schlag versetzt haben. Anders als die von Branchenfunktionären und Reiseunternehmen aus einerseits verständlichen, andererseits gegenüber aufgeklärten Kunden etwas unglaubwürdigen Verniedlichung der Lage mit Lobpreisungen der weiterhin bestehenden touristischen Vorzüge des Landes, aber bei dezentem Verschweigen der besorgniserregenden politischen Entwicklung im Land, diskutierte die Runde sehr offen und selbstkritisch über dieses Thema. Einerseits wurde festgestellt, dass trotz eines Rückgangs der deutschen Türkei-Urlauber von 40 bis 60 Prozent noch immer fast zwei Millionen Deutsche in diesem Jahr dort ihren Urlaub verbrachten, andererseits kam teilweise recht deutlich die Sorge hoch, dass die Türkei weniger durch weiter befürchtete Terroranschläge, vor denen allerdings kaum ein Land mehr gefeit ist, als unter den derzeit gegebenen politischen Bedingungen und ihren Folgen  auf unabsehbare Zeit im deutschen Markt sich nicht nur nicht erholen, sondern sogar zum Totalausfall werden könnte.

Fazit: Die deutschen Reiseströme ziehen in ruhigere Regionen dieser Welt und insbesondere der Kreuzfahrtboom mit immer noch mehr und noch größeren Schiffen, der manchen Unternehmen der Rettungsanker dieses Jahres gewesen sein dürfte, wird weiter anhalten. Aber auch nationale und europäische Politik bereitet der Reisebranche so manche Sorgen. Die ungeklärte Frage der Gewerbesteuer-Hinzurechnung beim Hoteleinkauf hängt wie ein Damoklesschwert über vielen Entscheidungen von mittelständischen und kleinen Reiseunternehmen. Vor allem aber die ausgerechnet vom EU-Austrittsland Großbritannien initiierte neue EU-Pauschalreiserichtlinie macht der Branche Kopfzerbrechen. Und dies, obwohl erst kürzlich dank massiver Intervention der Branchenverbände einige Exzesse etwas abgemildert werden konnten. Viele Themen konnten nur angerissen werden, brachten aber viele Gesichtspunkte in den Fokus – ein spannender Abend mit tollem Networking beim abschließenden Abendessen.               

Ursula Mühlens

Auf die nächste Diskussionsrunde von Skål Frankfurt darf man schon jetzt gespannt sein. Bei Skål Stuttgart und Skål München informierten die Reiserechtler der Kanzlei Noll & Hütten über die neue Pauschalreise-Richtlinie.